Für Begegnungsstätte zum Gestapo-Zwangsarbeitslager in Zöschen

Veröffentlicht am 13.01.2013 in Regional

(Beitrag für „Stadtanzeiger“, Leuna)
Die SPD-Fraktion begrüßt den Plan, in Zöschen eine Baracke, wie sie im ehemaligen Arbeitslager gestanden hat, symbolisch wieder herzustellen und sie für Ausstellungen, Gedenkveranstaltungen und Geschichtspädagogik zu nutzen. Da die Zwangsarbeit eng mit den Leuna-Werken und dem weiteren Lager Spergau verbunden war, ist dieses Projekt, angeregt vom Ortschaftsrat sowie vom Heimat- und Geschichtsverein Zöschen, für die Stadt passend und erhöht ihr Ansehen.

„Arbeitserziehungslager“ gehörten zum Terrorapparat der Nazidiktatur und dienten der Ausbeutung und Vernichtung von Zwangsarbeitern während des 2. Weltkrieges. Die Nazis errichteten sie meist in der Nähe von Industriebetrieben, die von der Schwerstarbeit der Häftlinge profitierten. Im Saalekreis gab es sie außer in Zöschen und Spergau noch in Schkopau, Schafstädt und Rothenburg. Im Lager Zöschen hatte die SS von August 1944 bis Kriegsende insgesamt ca. 1500 Zwangsarbeiter eingesperrt, die vor allem in den Leuna-Werken arbeiten mussten. Gedenksteine in der Zöschener Aue erinnern an 500 zu Tode gequälte Menschen aus ganz Europa.

Als (erst) ein halbes Jahrhundert nach der Befreiung die Geschichte der Lager in Deutschland aufgearbeitet wird, melden sich in Zöschen ehemalige holländische Gefangene und Angehörige. Anfangs nur als Gottesdienste geplant, werden die alljährlichen gemeinsamen Veranstaltungen bald zu einem gesellschaftlichen Ereignis im Landkreis. Engagierte Zöschener um Edda Schaaf, die zu dieser Zeit Bürgermeisterin ist, organisieren sie und stellen Konzepte für die Gedenkarbeit auf. Sie betreuen Schülergruppen, auch ausländische, die in Bildungsprojekten forschen, um Lehren für die Gegenwart zu ziehen. Mittlerweile zu einem Verein zusammengeschlossen, suchen sie nach Zeitzeugen und recherchieren in alten Papieren zur Geschichte des Lagers. Die Ergebnisse veröffentlichen sie in Aufsätzen, Ausstellungen und Vorträgen. Mit Hingabe knüpft Edda Schaaf ein Netz von sich gegenseitig befruchtenden Verbindungen zwischen Gleichgesinnten, das bis ins Ausland reicht. So bildet sich im Laufe zweier Jahrzehnte eine Tradition des Gedenkens und der Bewahrung heraus, die auch in anderen Ländern wahrgenommen wird. In Sachsen-Anhalt ist Zöschen der bedeutendste Ort der Erinnerung an die Arbeitslager der Nazis.

Inzwischen wird ein geeigneter Präsentationsraum für die Aktionen des Vereins gebraucht. Das kürzlich hierfür vorgestellte Baukonzept überzeugt die SPD-Fraktion - besonders wegen seiner überzeugenden Symbolkraft:
Eine Lagerbaracke soll rekonstruiert werden, an der sich der Besucher die Unterkünfte in ihrer extremen räumlichen Enge vorstellen kann. Außerdem: Indem einige aus der damaligen Zeit noch erhaltene Betonteile wieder eingesetzt werden, die zudem von den Häftlingen selbst hergestellt werden mussten, erhält der Bau auch Authentizität. Die Baracke wird auf dem ehemaligen Druschplatz stehen, einem Ort, über den die Leichenkarren fahren mussten auf dem Weg zum eigens angelegten Friedhof in der Aue.

Unsere Fraktionskollegin Uta Nitsch kennt die Arbeit des Vereins und würdigt, dass er sich vor allem der politischen Bildung Jugendlicher widmet, denn als Schulsozialarbeiterin ist sie häufig mit Schulgruppen aus Bad Dürrenberg dort zu Gast. „Es wirkt immer wieder stark auf Schüler, wenn sie hören, dass grauenhafte NS-Geschichte sich direkt in unseren Orten abgespielt hat... Die Idee mit der Baracke ist deshalb gut, weil Lernen durch Anschauung immer die bessere Methode ist.“
Nach 68 Jahren gibt es nur noch wenige Stätten in Deutschland, die an die Zwangsarbeitslager erinnern. Im Sinne des verpflichtenden Wortes von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen erwächst daraus eine gemeinsame Verantwortung von Stadt und Verein.

Tilo Heuer

07.06.2026 19:19 Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung
Stabilisierung der Pflegeversicherung muss solidarisch sein Ohne fairen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung bleibt die Finanzkrise der Pflege ungelöst. „Der Entwurf enthält wichtige Ansätze zur Verbesserung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation, die Unterstützung pflegender Angehöriger sowie Maßnahmen zur Entbürokratisierung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zentrale Antwort… Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung weiterlesen

03.05.2026 15:23 Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit
Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. „Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen

01.05.2026 15:23 Armand Zorn zum Tankrabatt
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen

Ein Service von websozis.info

Besucher:1006804
Heute:173
Online:1